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Der Blickwinkel der Physiologie:

Dr. Bernhard Riebl, Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation an der Rudolfsstiftung, schreibt zur Problematik folgendes:

„Musikermedizinische Stellungnahme zum Projekt:

Querflöte mit Omega-Kopfstück

Aufgrund von Bauweise und Haltung der Querflöte sind die physischen Belastungen für die Spielenden gegenüber den meisten anderen HolzbläserInnen deutlich erhöht. Als pathogenetischer Faktor für das Auftreten von Überlastungen des Bewegungsapparates steht die beträchtliche Asymmetrie bei gleichzeitig langen Hebelarmen im Vordergrund. Daraus resultiert eine hohe statische und dynamische Belastung der passiven und aktiven Strukturen des Bewegungsapparates, besonders betroffen sind Schultergürtel, Halswirbelsäule und obere Brustwirbelsäule.

Die wichtigsten damit direkt in Zusammenhang stehenden Krankheitsprozesse sind degenerative Erkrankungsbilder der Halswirbelsäule (von Spondylarthrose bis Diskusdegeneration und Diskusprolaps), segmentale Funktionsstörungen der Halswirbelsäule („Blockierungen“ und Hypermobilität) sowie die Überlastung der Schultergelenke mit Rotatorenmanschettenläsionen, Periarthritis calcificans und Omarthrose.

Für die Prävention und für Rehabilitationskonzepte dieser Krankheitsbilder bei Musikern könnte (neben der Haltungsanalyse und Verbesserung der Bewegungsstrukturen sowie der muskulären Stabilisation) die Verbesserung der Ergonomie entscheidende Bedeutung erlangen.

Hier setzt das Konzept der Flöte mit Omega-Kopfstück an, die Belastungsfaktoren werden durch Verkürzung der Hebelarme direkt und kausal signifikant reduziert.
Es ist zu erwarten, dass durch diese wesentliche ergonomische Verbesserung eine Reduktion der Gesundheits- und Sozialkosten erreicht werden kann, sowohl über Prävention als auch in der Therapie.“

Schädigungen im Überblick durch verfrühtes Spiel auf der großen geraden Flöte:

  • Verziehen des Kopfes zur linken Schulter
  • Hinaufziehen der linken Schulter
  •  Ausweichen der Hüfte nach rechts, Verdrehung der Wirbelsäule  Verkrampfung der Hände und Finger
  •  Abstützen der Flöte auf der Schulter

Schädigungen im Überblick durch Spielen auf der U-Kopfstück-Flöte:

Starkes Drehmoment der Flöte, daher

  • Verkrampfung der Finger und Hände, da diese zum Stabilisieren der Flöte verwendet werden, um das Drehmoment der Flöte aufzufangen.
  • Die Finger geraten in eine Doppelfunktion und können sich nicht mehr frei bewegen.
  • Schultern gehen hoch, Kopf senkt sich, Schmerzen in den Händen

Wie beim Violinunterricht ist es auch bei der Querflöte inzwischen unerlässlich, in frühen Jahren mit dem Instrument zu beginnen, um später berufliche Chancen vorzufinden.

Hinzu kommt, dass auch Kinder und Familien ohne berufliche Absichten den frühen Einstieg direkt nach der musikalischen Früherziehung wählen.

Problemfelder bei vorzeitigem Beginn mit der großen geraden Flöte

  • Einengung der Atmung
  • Einschnüren im Kehlkopfbereich
  • Schlechte Positionierung der Finger auf den Klappen — schlechte Geläufigkeit. Müdigkeit in den Armen — Absinken der Flöte — Hochziehen der Schultern — schlechte Atmung.

Problemfelder bei der U-Kopfstück-Flöte

  • Die Flöte bewegt sich bei nahezu jedem Griffwechsel, selbst wenn ein Profi darauf spielt. Dies hat einen gravierenden Einfluss auf die Klangbildung.
  • Die Tonbildung steht an und für sich immer im Zentrum einer Flötenausbildung, da es sehr schwierig ist, den Ringmuskel und die ihn umgebenden Muskeln so zu formen, dass die Luft im idealen Winkel in die Flöte gelenkt wird. Pendelt das Instrument, kann kein stabiler Ansatz erlernt werden. Damit verzögert sich der Reifungsprozess auf diesem Gebiet, ja man kann sogar behaupten, dass sich das Ohr an diffuse Klänge gewöhnt und diese als gut und normal einstuft. Eine verfeinerte Arbeit am Klang ist daher nicht möglich und erschwert die späteren Entwicklungsprozesse.
  • Da die Finger und Spannungen in der Mittelhand dazu verwendet werden, das Drehmoment der Flöte abzufangen, ist die Geläufigkeit schwer beeinträchtigt.
  • Die so erworbenen Gewohnheiten müssen später mühsam umgelernt werden.

Problemfelder bei piccoloähnlichen Instrumenten

Durch die enge Mensur von Anblasloch und Rohr werden falsche Spannungs- und Bewegungsmuster trainiert und verfestigt.